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DIE KOLUMNE: Gegen einen faulen Frieden mit den Machthabern in Teheran

Crosspost mit freundlicher Genehmigung der Jungle World.

Am Samstag, den 20.6.2026, hielt Andreas Benl diese Rede auf der wöchentlichen Protestkundgebung gegen die Islamische Republik in Berlin. Sie wurde zuerst auf dem Blog VON TUNIS NACH TEHERAN in der jungle world veröffentlicht.

„Lassen Sie mich mit einem Austausch auf Social Media nach Verkündung des Deals zwischen den USA und der Islamischen Republik Iran beginnen, mit dessen Konsequenzen wir uns jetzt alle beschäftigen müssen.

Am 15. Juni 2026 schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz auf X:

„Ich begrüße das Abkommen zwischen den USA und Iran. Zu diesem diplomatischen Durchbruch gratuliere ich Präsident Trump und der iranischen Seite.“

Ihm antwortete Gazelle Sharmahd, die Tochter des von den Revolutionsgarden ermordeten Jamshid Sharmahd:

„Sie haben gerade der Mullah Seite gratuliert Herr Bundeskanzler. Den Terroristen die meinen Vater, Jimmy Sharmahd, entführt haben. Den Terroristen die ihn 4 Jahre lang gefoltert haben. Den Terroristen die nicht mal seinen zerstückelten Leichnam rausrücken wollten… 

Sie sind jetzt Bundeskanzler, aber immer noch sein politischer Pate. 

Was diese Islamisten meinem Vater angetan haben, haben sie auch 40,000 weigern Iraner angetan. Was sagen sie dazu?“

Die Antwort lautet: nichts.

Stattdessen eilten die deutschen und europäischen Regierenden sofort ans Rednerpult, um den Henkern in Teheran nach den von den USA angekündigten Sanktionserleichterungen ebenfalls Entgegenkommen anzukündigen.

Abgrund tut sich auf

Über den Abgrund, der sich unter diesem Deal auftut, ist bereits viel gesagt worden:

– Er erodiert den ökonomischen Druck auf das Regime, indem er signalisiert, dass Geld und Öl auch ohne Kapitulation oder wenigstens substantielle Zugeständnisse des Regimes fließen können.

– Er dementiert das Versprechen von ‚Help is on the way‘, indem er dem illegitimen Regime, den Mördern von 40 000 Iranern Immunität und westlichen Respekt vor ihrer vermeintlichen ‚nationalen Souveränität‘ verspricht.

– Gleichzeitig erkennt er die Einmischung der Islamischen Republik in den Libanon an, indem er ohne Beteiligung Israels oder des Libanon den Waffenstillstand dorthin ausweitet. Ein Geschenk, mit dem die Islamische Republik die USA erpressen und jeden US-Einspruch oder gar Widerstand gegen die Kriegstreiber der Hisbollah oder anderer Mullah-Verbündeter als amerikanische Politik ‚am Gängelband Israels‘ denunzieren und als ideologisches Brennholz für seine Verbündeten und Kollaborateure verwenden kann.

Beim G7-Gipfel sahen wir die ersten Folgen, als Friedrich Merz am 17. Juni die Verhältnisse auf den Kopf stellte und davon sprach, Israel dürfe nicht zum „Konflikttreiber“ werden, sondern müsse „eine aktive Rolle einnehmen, den Konflikt jetzt zu beenden“. Das sagt der Bundeskanzler, der der politische Pate von Jamshid Sharmahd war und im Januar noch das baldige Ende der Islamischen Republik verkündete.

Fauler Friede

Diese Verkehrung der Realität geht bestens mit dem Schweigen zu den Verbrechen des Regimes an seiner eigenen Bevölkerung zusammen. An Israel und an die Mehrheit der Iraner ergeht die Weisung, einem faulen Frieden mit einem Regime, das sie auslöschen will, nicht im Wege zu stehen.

Die Zeit der schönen Worte ist vorbei. Wer behauptet, an der Seite der Iraner zu stehen, muss in Zukunft seine eigenen Interessen daran ausweisen. Solidarität ist kein moralisches Almosen, sie kann ein nachhaltiges Fundament nur in der Erkenntnis von eigenen und gemeinsamen Interessen haben.
Als Bürger dieses Landes kann ich dieses Interesse leicht darlegen: ich möchte nicht, dass die Straßen und der öffentliche Raum von islamistischen Gewalttätern und linken und rechten Antisemiten dominiert werden, die allesamt Bündnispartner der Islamischen Republik sind und in ihrem Namen und mit ihren Symbolen aufmarschieren. Sie sind das Milieu, das die Anschlagsvorbereitungen von aus Teheran gesteuerten Terroristen hier und in ganz Europa politisch deckt.

Ich könnte viele weitere Gründe aufzählen, aber dieser eine sollte ausreichen, um Empathie für zehntausende von Opfern, die für die Freiheit des Iran gestorben sind zu haben und unendlichen Respekt für den Mut der Iraner, die sich den Terroristen unbewaffnet im Herzen der Bestie entgegenstellen.
Sie sind Helden gegen ein wirklich genozidales Regime, dessen Verbrechen kleingeredet werden, während den Mördern im Namen Palästinas und des Antiimperialismus gehuldigt wird.

Sie werden nicht durchkommen!

Wir brauchen uns nicht zu verstecken, sondern sollten mit erhobenem Kopf mit dem Finger auf jene zeigen, die zu den Verbrechen dieses Regimes schweigen, oder es sogar unterstützen. Diese Propagandisten, ob sie nun unter linker, rechter oder islamischer Flagge auftreten, wollen sagen, dass jede Selbstverteidigung gegen islamistische und antisemitische Menschheitsverbrecher illegitim ist – also auch der Widerstand der Menschen im Iran.
Sie werden damit nicht durchkommen.
Die iranische Opposition ist weniger in Monarchisten und Republikaner gespalten, sondern in jene, die auch als Gegner der Islamischen Republik die Revolution von 1979 verteidigen wollen, und jene, die dies vehement ablehnen. Die 1979er haben ein buntes Spektrum von deutschen Alt-68ern bis zum ehemaligen Merkel-Berater Christoph Heusgen an ihrer Seite – aber bestimmt nicht die Mehrheit der Iranerinnen und Iraner.

Bedauerlicherweise gibt der aktuelle Deal der USA dem Regime Gelegenheit, sich als Sieger zu inszenieren und schürt in der deutschen und europäischen Politik neue Hoffnungen auf Annäherungen an die Islamische Republik.
Doch täuschen wir uns nicht, die Islamische Republik hat keinesfalls gesiegt: Keine propagandistischen Spins können darüber hinwegtäuschen, dass das Regime heute schwächer denn je ist und mehr denn je als das geschlossene mafiöse Bandensystem verhasst, das die Ressourcen der iranischen Gesellschaft plündert und für seine terroristische Expansion missbraucht.
Ein grinsender ‚bärtiger Hoffnungsträger mit Herz‘, wie die taz einst Hassan Rohani nannte, steht nicht mehr für die Propaganda für faule Deals zur Verfügung. Stattdessen sollten wir die deutsche Politik daran erinnern, dass die Revolutionsgarden im Januar endlich auf die EU-Terrorliste gesetzt wurden und einfordern, dass daraus endlich Konsequenzen gezogen werden. Das ist das mindeste, was Deutschland und Europa den Menschen im Iran schulden.

In der Solidarität nicht ablassen

Dieses Regime trennt ein Abgrund von der Mehrheit der iranischen Gesellschaft, die alle Fraktionen des Regimes verabscheut und sie stürzen will.
Erweisen wir uns dem Kampf der Menschen im Iran als würdig, indem wir keinen Moment von der Solidarität mit ihnen ablassen und keinen Zentimeter von unserem Ziel des Sturzes der Islamischen Republik zurückweichen.
Die Iraner haben alle Menschen in der Region an der Seite, die unter dem von den Revolutionsgarden verbreiteten Terror leiden. Und sie werden von allen Menschen in den westlichen Demokratien und anderswo unterstützt, die im wohlverstandenen Eigeninteresse für einen freien Iran streiten.

Nieder mit der Islamischen Republik!
Es lebe der freie Iran!“

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